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Ein längliches Stück Persönlichkeit

„Ein Mann ist so viel wert wie seine Krawatte. Durch sie enthüllt sich sein Wesen, in ihr manifestiert sich sein Geist.“, konstatierte der Romancier Honoré de Balzac. Doch nicht immer wurde die Krawatte als Zeichen von Anstand und Charakterstärke gedeutet. Ein Blick zurück, als das Stück Stoff noch kürzer war…

Legenden zufolge verdankt das längliche Stück Stoff bzw. Leder, Hanf, Holz, Metall oder gar Glas seine Popularität einer Truppenparade im Jahr 1663 für den französischen König Ludwig XIV.. Die Reiter des dort aufmarschierten kroatischen Regiments sollen ein Stück Stoff getragen haben, das am Kragen in Form einer Rosette befestigt wurde, während deren Enden lose über der Brust herabhingen. Hin und weg von diesem Accessoire übernahm der König die croatta, abgeleitet von dem Namen der Kroaten, und verbreitete sie innerhalb des Adels.

Schon bald besaßen im 17. Jahrhundert selbst niedrige Höflinge unzählige Krawatten – der moderne Mann hat im Durchschnitt weniger als fünf Stück. Verwunderlich – gilt die Krawatte neben Socken doch immer noch als beliebtes Geschenk zum Weihnachtsfest. Und, liebe Männer, an dieser Stelle sei erwähnt: Wenn ihr am Heiligen Abend die Krawatte erblickt, mit voller Zufriedenheit aus ihrer Schachtel emporhebt, bedenket, welch unzählige Entscheidungen wir treffen mussten, bis das richtige Stück gefunden war. Denn Krawatten gibt es eben nicht nur aus den unterschiedlichsten Materialien, sondern ebenso endlos erscheint die Menge der Farbkombinationen und Designs – Streifen, freie Muster wie zum Beispiel Paisley oder unifarben.

Die kurvenreiche Fahrt der Krawatte als Zeichen für Persönlichkeit über die Entwicklung zum ungeliebten steifen Business Zwangsaccessoire und wieder hin zum trendigen Mode-Must-Have der letzten Jahrzehnte führt uns heute vor prall gefüllte Kaufhausregale. Eine große Auswahl an Krawatten findet sich übrigens auch im Internet. Hier zeigt sich natürlich auch der Mercedes unter den Krawatten: die sogenannte „siebengefaltete Krawatte“, bestehend aus nur einem quadratischen Seidentuch, dessen Diagonale die Länge der Krawatte bestimmt. Das Tuch wird  bei der Herstellung siebenfach gefaltet und abschließend vernäht. Das Endergebnis ist eine der exquisitesten Krawatten in der Fraktion der Langbinder.

Geschrieben von Kevin am 02. Dezember 2009
Abgelegt unter Lifestyle, Mode
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