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Elefantendecken im Supermarkt…

… eine tragische Vorweihnachtsgeschichte?

Dies ist eine tragische Geschichte mit einem guten Ende. Was vielleicht vom Titel ausgehend nicht jedem sofort klar wird. Oder eben doch. Und zwar denen, die sofort über die Verbindung „Elefantendecken“ und „Hubwagen“ gestolpert sind. Genau hier liegt nämlich die Tragik dieser Geschichte.

Es war einer dieser Arbeitstage, die man am liebsten noch nicht einmal begonnen hätte. Ein Montag, es regnete, der Kaffeeautomat kaputt, der Rücken auch. Man schleppte also an diesem Tag seine porösen müden Knochen zum Arbeitsplatz – ein Supermarkt, der im Sonderangebot eine Wohndecke in dunkelbraun hatte, die starke Ähnlichkeit mit den Haarknäueln meines Katers aufwies, allerdings flächenmäßig einen Elefanten zugedeckt hätte – und war dankbar über die Aussicht, dass zumindest der Filialleiter an diesem Tag krank geschrieben war.

In weiser Voraussicht mögliche in diesem Alter auftretende Bandscheibenvorfälle betreffend, holte ich mir meine AMEISE (im Supermarktjargon wird so der Hubwagen bezeichnet) aus dem Lager und begann palettenweise besagte Elefantenwohndecken an einem prominenten Platz direkt hinter dem Eingang des Supermarktes zu stapeln. Währenddessen überlegte ich, wem ich die übrigen, nicht verkauften Decken wohl schenken könnte, da die Reste der Sonderangebote unter den Angestellten aufgeteilt wurden und ich mir bei diesen Dingern sicher war, dass nicht einmal  meine Tante Gertrud, auf deren Geschmacklosigkeit man normalerweise sicher setzen konnte, sich so eine gegönnt hätte. Vielleicht würde ich ihr eine schenken.

Plötzlich begann der inzwischen 4,5 Meter hohe Stapel bedenklich zu schwanken. Eine Elefantendecke wiegt übrigens 3 kg und ist durchschnittlich 2 cm hoch. Es begannen also 675 kg Stoff bedenklich zu schwanken. Ich blickte mich um. Außer mir waren keine potentiellen Opfer in Reichweite. Das war schön für alle anderen Mitarbeiter und Kunden des Hauses, doch vielleicht sollte ich nun an mich denken. Diese Decken mochten jede für sich ja ganz kuschelig sein, aber das 11-fache meines eigenen Körpergewichts in Form von Decken konnte möglicherweise fatale Folgen haben.

Während mir diese Überlegungen durch den Kopf gingen, begrub mich der Turm aus Decken unter sich. Dunkelheit! Oder zumindest ziemlich braun. Und schwer, sehr schwer. Mein Körper war deutlich eingeschränkt in seinen Möglichkeiten. Will sagen, ich war dabei zu ersticken. Nur mein linker Arm war frei, dieser dafür vollständig. Gerne hätte ich mit ihm getauscht, das ging jedoch nicht. Blind, mit dem Erstickungstod ringend, bewegungsunfähig bis auf den linken Arm, versuchte ich das Beste aus meiner Situation zu machen und schlug wie wild mit eben diesem umher.

Ich stieß gegen etwas Metallisches und zog daran. Ein schmaler Lichtstrahl traf mein mittlerweile an die Dunkelheit gewohntes Auge. Auch die Atmung setzte wieder ein, was nur bedeuten konnte, dass jemand den Deckenberg anhob. Da traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz: Mein getreuer Hubwagen war ebenfalls verschüttet und ich hatte am Griff gezogen, woraufhin dieser den Berg ein bis zwei Millimeter angehoben hatte. Mein neuer Lieblingshubwagen! Mit neuem Mut zog ich weiter und pumpte den Berg bis auf eine Höhe von fünf Zentimetern an.

Ich beschloss, meinem Retter einen Namen zu geben. Hubert wäre ja naheliegend. Dann könnte ich ihn immer Hubi nennen. Hubi, der Hubwagen!

Geschrieben von Kevin am 16. Dezember 2008
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