Ver
01

Eine Geschichte des Spielzeugs als Spiegel der Zeit

Wenn man heutzutage durch die Läden geht, um seinen Enkelkindern ein schönes Spielzeug zum Geburtstag zu kaufen, dann kann einem schon manchmal angst und bange werden, wenn man bedenkt, dass Kinderspielzeug schon immer ein Spiegelbild der Zeit war. Ein Spiegelbild der Kunst, aber auch des sozialen und politischen Lebens.

Die ersten Hinweise für Spielzeug führen in die Steinzeit. Hier wurden Steine und Knochen mit besonderem handwerklichem Geschick bearbeitet und puppenähnliche Gebilde aus Ton geformt. Mit der Entwicklung der kunsthandwerklichen Fähigkeiten des Menschen wuchsen auch die Bedürfnisse der Kinder nach schönerem und hochwertigerem Spielzeug.

Ca. 200 Jahre vor Christus spielten ägyptische Kinder besonders gerne mit Holzspielzeug – Figuren, die Krokodile oder Löwen darstellten. Erstaunlich ist an diesen Holzfiguren, dass man den Unterkiefer bewegen und so das Maul bedrohlich weit aufreißen konnte. Die Realität wurde immer besser kopiert. Und auch die Spielzeug Puppen hatten sich verändert. Sie bestanden aus Stoff, trugen Kleider und Schmuck, hatten sogar Haare und individuelle Gesichter und die Gliedmaßen ließen sich bewegen.

Viele der antiken Spielzeuge finden wir auch im Mittelalter wieder, jedoch in einer weiterentwickelten Form. Allerdings bricht in dieser Zeit die Kluft zwischen Arm und Reich weiter auseinander. Während ärmere Kinder sich damit begnügen müssen, mit Kastanien, Eicheln oder Tannenzapfen kleine Figuren zu basteln, mit denen sie spielen können, erfreuen sich wohlhabendere Kinder an Steckenpferden, Glasmurmeln, Babyrasseln und Ritterfiguren. Spielzeug wurde nicht selten extra von den Eltern bei anerkannten Handwerkern in Auftrag gegeben. Je realistischer, desto besser, denn die Jungen und Mädchen sollten mit Hilfe des Spielzeugs auf ihre spätere Rolle in der Gesellschaft vorbereitet werden. Durch die hohe Nachfrage für Spielzeug entstanden dann auch die ersten Fachbetriebe für die Spieleherstellung.

Am Ende des 18. Jahrhunderts kam eine neue Art des Spielzeugs auf: Lernspielzeug. Baukästen und Puzzel sollten die Phantasie anregen und die Feinmotorik fördern. Sportliche Spielsachen sollten hingegen die Gesundheit der Kinder aufrecht erhalten. Im 19. Jahrhundert kam es dann zu den ersten Massenproduktionen von Spielwaren. Und auch die industrielle Revolution fand mit kleinen Dampfmaschinen in den Kinderzimmern statt.

Und was sehen wir, wenn wir heute in den Spiegel der Zeit schauen? Noch vor wenigen Jahrzehnten waren eine liebevolle Maus, ein gebildeter Hase und deren Freunde die Helden der Kindheit. Heute sind es ein dümmliches Brot und ein nerviger Schwamm, die nicht nur Kinderherzen höher schlagen lassen. Spongebob Spiele gibt es jetzt auch schon für den PC! Wenigstens gibt es immer noch Playmobil Spielzeug und Lego Spielzeug (und auch hier lässt sich eine ganz deutliche Entwicklung erkennen). Ja, das sagt doch schon einiges über unsere Zeit aus. Was genau, darüber sollte vielleicht jeder selber einmal nachdenken.

Geschrieben von Kevin am 06. Mai 2009
Abgelegt unter Familie und Kinder
Jetzt kommentieren »



Einen Kommentar schreiben